Folge 3: Lesiewicz spricht mit Timon Heinrich, Vorstand der Hansen und Heinrich AG
Im Jahr 2000 steht ein junger Banker vor einer Entscheidung. Sein Weg zum Vorstand einer Großbank scheint vorgezeichnet – duales Studium, feste Stationen, Frankfurter Zentrale. „Einmal Deutsche Bank, immer Deutsche Bank. Da wirst du später Vorstand“, so hatte er sich seine Zukunft ausgemalt.
Ein Fusionsgeplänkel zwischen zwei Großbanken bringt ihn ins Grübeln. Erst sollen die Kunden erfahren, wie schön die Zukunft wird – fünf Wochen später der Rückzug. Die Frage, die bleibt: Muss ich immer nachplappern, was sich andere ausdenken? Oder kann ich unabhängig für meine Kunden besser da sein?
Inhalt
Der junge Banker heißt Timon Heinrich. Heute ist er Vorstand – aber bei einem Unternehmen, das er selbst mitgegründet hat: der Hansen und Heinrich AG, seit über 13 Jahren, im Unternehmen seit fast 25.
In unserer neuen Folge von „Lesiewicz spricht mit“ haben wir mit ihm gesprochen. Über seinen Weg, über Gründung mitten in der Krise und über die Werte, die ein mittelständisches Unternehmen durch drei Finanzkrisen getragen haben.
Der sichere Weg und der Moment des Zweifels
Timon Heinrichs Plan stand früh fest. Duales Studium bei der Deutschen Bank, verschiedene Stationen, eine Vertiefungsphase in der Frankfurter Zentrale. Der Weg schien vorgezeichnet.
Dann kamen die Störgefühle. Erst die Trennung von Bank 24 und Private Banking, bei der Kunden nach Vermögensgrenzen sortiert wurden. Dann, im Frühjahr 2000, das Fusionsgeplänkel: erst die Ankündigung an die Kunden, wie schön das jetzt werde – fünf Wochen später der Rückzug. Für Heinrich der Wendepunkt.
Die Antwort gab er sich selbst. Im Januar 2001 gründete er mit zwei Kollegen eine eigene Vermögensverwaltung. Ohne Fremdkapital.
Gründen im Sturm
Der Zeitpunkt hätte kaum schwieriger sein können. Beim Start lag der DAX bei rund 6.500 Punkten. Es folgten der 11. September, Bilanzskandale und der Stresstest der deutschen Versicherer. Im März 2003 stand der DAX bei 2.200 Punkten – zwei Drittel Marktrückgang in den ersten beiden Geschäftsjahren.
Trotzdem gelang es, das Unternehmen von Anfang an stetig und profitabel zu führen. Aus drei Gründern wurde Schritt für Schritt ein Team. Aus reiner Anlageberatung wurden über die Jahre mehrere Geschäftsfelder: Versicherungsthemen, Immobilienservice, eine Stiftungstreuhand. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter.
Krise als Bewährungsprobe für die Kultur
Wie ein Unternehmen geführt wird, zeigt sich selten in guten Zeiten. Es zeigt sich in der Krise. 2008, mitten in der Finanzkrise, ging der Umsatz zurück. Kurz vor Weihnachten setzte sich das Team zusammen. Die Entscheidung: niemanden verlieren. Stattdessen die Bitte an alle – vom Assistenten bis zum Vorstand – eine Gehaltskürzung von zehn Prozent mitzutragen.
Alle zogen mit. Für Timon Heinrich ein Beleg für die Kontinuität, die sein Unternehmen prägt: bei den Mitarbeitern wie bei den Mandanten. Viele von damals sind bis heute dabei. Es ist genau diese Form von Zusammenhalt, für die der Mittelstand steht – und die ihn von anonymeren Strukturen unterscheidet.
Werte als Kompass im Geschäfts-Alltag
Was Timon Heinrich durch all das trägt, ist eine klare Haltung. Glaube spielt für ihn eine zentrale Rolle – nicht als Mission nach außen, sondern als persönlicher Maßstab. Wichtiger als jedes Bekenntnis sei, dass sich die eigenen Werte im Verhalten zeigen.
Konkret heißt das: viel Zeit für Planung und klare Prioritäten. Der Umgang miteinander auf Augenhöhe – schon bei der Gründung, als ein 49-jähriger Mitgründer mit zwei 26-Jährigen gleichberechtigt startete. Und ein einfaches Prinzip in der Personalführung: nur versprechen, was man halten kann und will. Von 50 Mitarbeitern sind heute zwölf unter 30 – ein Hinweis darauf, dass diese Haltung auch jüngere Menschen anzieht.
Was bleibt
Auf die Frage, was er den Zuhörern mitgeben möchte, antwortet Timon Heinrich ohne Umweg: Gutes zu tun, lohne sich nicht irgendwann, sondern jetzt. Niemand wisse, wie viel Zeit ihm dafür bleibe.
Timon Heinrichs Weg ist eine Stimme aus dem Mittelstand, die zeigt: Mut zur Unabhängigkeit, Beständigkeit in der Krise und eine klare Werteorientierung sind kein Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg. Sie sind oft seine Grundlage.
🎧 Die ganze Folge hören: Folge 3 „Lesiewicz spricht mit“ Timon Heinrich auf Spotify
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Über unseren Gast: Timon Heinrich ist Vorstand der Hansen und Heinrich AG. Mehr über ihn und sein Unternehmen:
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- Mehr zur Stiftungstreuhand der Hansen und Heinrich AG
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Wie wir ticken: In der ersten Folge von „Lesiewicz spricht mit“ stellen wir uns selbst vor Beitrag zur 1. Folge