Folge 7: Lesiewicz spricht mit Markus Lackner, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der MetaComp Gruppe
Markus Lackner kommt aus der IT. Aber wer ihm in dieser Podcastfolge zuhört, merkt schnell: Es geht nicht zuerst um Technik, Tools oder aktuelle IT-Trends. Es geht um Unternehmertum.
Um Wachstum. Um Zukäufe. Um Vertrauen. Um Menschen. Und um die Frage, wie aus mehreren Unternehmen wirklich ein gemeinsames Unternehmen werden kann, ohne dass man das zerstört, was vorher gut funktioniert hat.
Markus Lackner hat MetaComp vor über 30 Jahren gegründet. Heute umfasst die MetaComp Gruppe rund 190 Mitarbeitende an mehreren Standorten. Zehn Firmen haben sich über die Jahre angeschlossen. Viele dieser Zusammenschlüsse folgten keinem klassischen Kaufplan. Häufig war am Anfang weder eine gezielte Suche noch ausreichend eigenes Kapital vorhanden.
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Was es aber gab: Beziehungen. Vertrauen. Gemeinsame Werte. Und die Bereitschaft, kreative Wege zu finden, wenn beide Seiten überzeugt waren, dass gemeinsam mehr entstehen kann.
Genau darum ging es in unserem Gespräch: Wie Wachstum im Mittelstand gelingen kann, wenn Firmen nicht einfach gekauft, sondern wirklich integriert werden. Warum Markus Lackner bei Zukäufen nicht zuerst auf Zahlen schaut. Weshalb die ersten Monate nach einem Zusammenschluss oft schwieriger sind, als Businesspläne vermuten lassen. Und warum bei MetaComp am Anfang immer zuerst die Menschen stehen.
Was MetaComp heute macht
Markus Lackner beschreibt seinen Weg in die IT als etwas, das aus einem Hobby entstanden ist. Schon früh interessierte er sich für Computer, neue Technologien und individuelle Lösungen. Während seines Informatikstudiums meldete er ein Gewerbe an, um IT-Komponenten günstiger einkaufen zu können. Für Freunde, Bekannte und erste Kunden baute er PCs zusammen.
Aber interessant ist nicht nur, dass daraus später ein Unternehmen wurde. Interessant ist, wie Markus Lackner diesen Anfang beschreibt.
Er wollte schon damals nicht einfach irgendeinen Standard-PC verkaufen. Ihm ging es darum, zuzuhören, zu verstehen, was jemand wirklich braucht, und daraus eine passende Lösung zu bauen. Individuell zugeschnitten, mit erkennbarem Mehrwert.
Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Gespräch.
Auch heute beschreibt er MetaComp nicht zuerst über Produkte, sondern über das Zuhören. Die MetaComp Gruppe hat inzwischen rund 190 Mitarbeitende. Davon arbeiten etwa 120 bei der MetaComp GmbH. Der Fokus liegt auf Firmenkunden. MetaComp bietet Standard-IT wie PCs, Notebooks, Drucker, Headsets, Videokonferenzlösungen, Antivirus und Standardsoftware. Dazu kommen Managed Services, IT-Dienstleistungen und vieles, was Unternehmen heute rund um IT benötigen.
Entscheidend ist für Markus Lackner aber weiterhin der Ausgangspunkt: erst verstehen, dann gemeinsam schauen, was gebraucht wird.
Damit ist MetaComp zwar ein IT-Unternehmen. Das Gespräch mit Markus Lackner ist aber vor allem eine unternehmerische Geschichte darüber, wie Wachstum entsteht, wenn man Beziehungen ernst nimmt.
Wachstum beginnt nicht mit einer Suche
Ursprünglich wollte Markus Lackner gar kein großes Unternehmen aufbauen. Seine Vorstellung war eher eine kleine Firma mit vielleicht zehn Mitarbeitenden. Erfolgreich, persönlich, nah an den Menschen im eigenen Umfeld, an Geschäftspartnern und Kunden.
Dass daraus später eine Unternehmensgruppe mit zehn Firmenzusammenschlüssen wurde, war kein strategisch geplanter Akquisitionspfad. Markus Lackner sucht nicht systematisch nach Übernahmezielen. Viele Zusammenschlüsse sind aus Beziehungen entstanden, die über Jahre gewachsen sind.
Er erzählt von Herstellerveranstaltungen, Partnerkreisen, Advisory Councils und Roundtables. Von Veranstaltungen mit HP, HPE, Lenovo, Dell, Microsoft oder Intel. Dort begegnet man sich nicht nur einmal flüchtig. In kleineren Kreisen verbringt man teilweise mehrere Tage miteinander, spricht offen, lernt sich kennen und baut Vertrauen auf. Aus solchen Kontakten sind später Gespräche entstanden.
Ein besonders prägendes Beispiel war der erste Zusammenschluss mit einem IT-Systemhaus aus Reutlingen. Der geschäftsführende Gesellschafter Berthold rief Markus Lackner spontan an. Eigentlich hatte er sich mit einem anderen Partner zusammentun wollen, doch der geplante Notartermin war geplatzt. Der vorgesehene Partner hatte kurzfristig einen Rückzieher gemacht.
Also griff Berthold zum Telefon. „Hey Markus, hast du nicht Lust, dass wir uns zusammentun?“
Markus Lackner wusste in diesem Moment nicht, wie man ein Unternehmen bewertet. Kapital für einen klassischen Kauf war ebenfalls nicht vorhanden. Trotzdem entschieden beide, sich zusammenzusetzen und einen Weg zu suchen. Aus dem Gespräch entstand eine Lösung: Der Kaufpreis wurde nicht sofort in bar bezahlt, sondern über die Mehrerträge abgebildet, die aus der gemeinsamen Entwicklung entstehen sollten.
Das ist mehr als eine schöne Gründungsanekdote. Es zeigt ein Grundmuster, das Markus Lackners Wachstumsgeschichte bis heute prägt: Erst kommt die Beziehung. Dann die Frage, ob beide Seiten gemeinsam mehr schaffen können. Erst danach wird über die konkrete Konstruktion gesprochen.
Wenn ein Unternehmen dazukommt: erst Sicherheit, dann Synergien
Spannend wird das Gespräch besonders dort, wo Markus Lackner über Integration spricht. Denn Firmenzusammenschlüsse scheitern selten nur an Verträgen, Kaufpreisen oder Strukturen. Entscheidend ist häufig, was nach dem Zusammenschluss passiert.
Markus Lackner unterscheidet zwei grundsätzliche Ansätze: Buy & Collect und Buy & Build.
Bei Buy & Collect übernimmt man ein Unternehmen und lässt es zunächst weitgehend so bestehen, wie es ist. Nach dem Prinzip: „Never change a winning team“. Bei Buy & Build geht es darum, aus mehreren Unternehmen gezielt etwas Größeres zu bauen, Synergien zu heben und Strukturen zusammenzuführen. MetaComp bewegt sich für ihn zwischen beiden Ansätzen.
Am Anfang steht nicht der Wunsch, sofort alles zu vereinheitlichen. Am Anfang steht die Frage: Passen die Menschen, die Denkweise, die Werte und die Philosophie überhaupt zusammen? Markus Lackner sagt sehr klar: Wenn das nicht passt, hat man keine Chance. Dann könne man sich noch so sehr bemühen, aber es werde nicht funktionieren.
Deshalb geht es zunächst darum, die Mitarbeitenden kennenzulernen, in die Organisation hineinzuhören und zu verstehen, ob ein gemeinsamer Weg realistisch ist. Wenn ein Unternehmen dann dazukommt, baut MetaComp bewusst keinen starken Veränderungsdruck auf. Markus Lackner beschreibt sich selbst als jemand, der freie Entfaltung höher gewichtet als Anleitung und Reglementierung. Für ihn braucht es Leitplanken, aber keinen Big Bang.
Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wer nach einem Zusammenschluss sofort Prozesse, Tools und Strukturen überstülpt, riskiert Verunsicherung. Die Menschen verlieren Sicherheit, obwohl genau diese Sicherheit gebraucht wird, damit später Zusammenarbeit entstehen kann. Deshalb lässt MetaComp übernommenen Teams zunächst viel Freiheit. Die bestehende Kultur soll bleiben dürfen. Die Mitarbeitenden sollen erleben, dass nicht alles sofort anders wird. Gleichzeitig entsteht die Möglichkeit, auf mehr Ressourcen, mehr Zusammenarbeit und mehr Sicherheit zuzugreifen.
Erst über die Zeit entwickelt sich daraus mehr gemeinsames Arbeiten. Markus Lackner spricht von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren, in dem aus dem anfänglichen Buy & Collect zunehmend ein Buy & Build werden kann. Dann geht es auch um gemeinsame Tools, eine gemeinsame Warenwirtschaft, Buchhaltung, People & Culture, abgestimmte Prozesse und standortübergreifende Service Hubs. Aber eben nicht sofort am ersten Tag.
Das ist einer der stärksten Gedanken aus dem Gespräch: Integration beginnt bei MetaComp nicht mit der Frage, welche Prozesse sofort vereinheitlicht werden. Sie beginnt mit der Frage, wie Menschen Sicherheit behalten, damit später überhaupt echte Synergien entstehen können.
Markus Lackner sagt auch offen, dass diese Haltung nicht von Anfang an perfekt vorhanden war. Er habe Fehler gemacht, sich teilweise falsch verhalten und sei in falsche Richtungen gegangen. Wichtig war für ihn, daraus zu lernen, Hilfe anzunehmen, zuzuhören und wieder auf einen gemeinsamen Weg zu kommen. Gerade diese Offenheit macht den Punkt glaubwürdig. Es klingt nicht nach einer idealisierten Wachstumsgeschichte. Es klingt nach Erfahrung.
M&A und Businesspläne: warum Ehrlichkeit wichtiger ist als Schönrechnen
Heute wird MetaComp regelmäßig angesprochen. Markus Lackner berichtet, dass ihm im Schnitt etwa fünf Systemhäuser pro Woche zum Kauf angeboten werden. Zusätzlich kommen ein bis zwei Anfragen von Investoren oder anderen Interessenten, die wiederum MetaComp kaufen möchten.
Der klassische M&A-Weg passt trotzdem nicht wirklich zu ihm. Warum? Weil er Unternehmen nicht zuerst über Zahlen, Profile und Businesspläne kauft. Für ihn zählen Relationship, Vertrauen, Werte und das Kennen der Menschen. Ein Fall aus der jüngeren Vergangenheit zeigt das besonders deutlich.
Über einen M&A-Berater kam Markus Lackner mit einem Systemhaus ins Gespräch, das fachlich gut zu MetaComp gepasst hätte. Eigentlich wollte er sich auf diesen Prozess gar nicht einlassen. Der Ansatz war ihm zu transaktional. Dennoch kam es zu einem Termin mit fünf Gesellschaftern, zwei Geschäftsführern und zwei M&A-Beratern. Andere Interessenten hatten bereits deutliches Kaufinteresse gezeigt. Markus Lackner hingegen ging anders in das Gespräch. Er war nicht dort, um um die Firma zu werben. Stattdessen sprach er offen aus, was ihn störte: die Art des Prozesses, seine Bedenken und seine Zweifel. Die Runde war irritiert.
Genau diese Irritation wurde später aber zum Ausgangspunkt für weitere Gespräche. Offenheit kann kurzfristig unbequem sein. In diesem Fall sorgte sie dafür, dass etwas hängen blieb. Man blieb im Gespräch, verhandelte neu und entwickelte gemeinsam eine Lösung. Besonders interessant ist dabei auch sein Blick auf Businesspläne. Markus Lackner beschreibt, dass die vorgelegten Planungen aus seiner Sicht nicht realistisch waren. Seine Erfahrung aus Zusammenschlüssen ist eine andere: Nach einem Kauf gehen die Zahlen oft erst einmal zurück.
Nicht, weil der Zusammenschluss falsch ist. Sondern weil die Realität sichtbar wird. Mitarbeitende sind verunsichert. Kulturelle Spannungen treten auf. Themen, die vorher verdeckt waren, kommen auf den Tisch. Menschen werden lauter, weil plötzlich noch jemand zuhört. Es entsteht erst einmal Durcheinander, bevor Klarheit und Vertrauen wachsen können.
Das ist ein wichtiger Punkt für jedes Unternehmen, das über Wachstum durch Zukäufe nachdenkt. Ein Zusammenschluss erzeugt nicht automatisch sofort Synergien. Oft erzeugt er zunächst zusätzliche Komplexität. Wer diese Phase im Businessplan nicht ehrlich berücksichtigt, rechnet sich den Kauf schön und unterschätzt die Integrationsarbeit.
Markus Lackner zeigte deshalb eine konservativere Entwicklung auf. Keine glänzende Wachstumskurve, sondern eine realistischere Einschätzung dessen, was nach einem Zusammenschluss passieren kann. Auch das passt zu seiner Haltung: Lieber ehrlich über Schwierigkeiten sprechen, als eine Transaktion auf Annahmen aufzubauen, die später nicht tragen.
Wachstum ohne eigenes Kapital
Ein besonders ungewöhnlicher Teil der MetaComp-Geschichte ist das Kapitalthema. Markus Lackner sagt offen, dass MetaComp bei vielen Firmenkäufen nicht das Kapital hatte, um den Kauf klassisch zu finanzieren. Das war nicht nur beim ersten Zusammenschluss so. Es begleitete die Gruppe mehrfach über die Jahre. Trotzdem entstanden Lösungen.
Manchmal über künftige Mehrerträge. Manchmal über Verkäuferdarlehen. Manchmal über andere kreative Konstruktionen, die erst möglich wurden, weil beide Seiten überzeugt waren: Zusammen entsteht mehr als getrennt.
Entscheidend ist dabei nicht, dass Kapital unwichtig wäre. Natürlich braucht Wachstum wirtschaftliche Tragfähigkeit. Natürlich müssen Kaufpreise, Risiken und Erwartungen realistisch betrachtet werden. Aber Markus Lackners Geschichte zeigt: Kapital ist nicht immer der erste Schritt. Manchmal entsteht der finanzielle Weg erst, wenn Vertrauen, Ehrlichkeit und ein gemeinsames Ziel stark genug sind.
Er beschreibt zwei Prinzipien, die dabei zentral sind.
- Erst verstehen, dann verstanden werden.
Beide Seiten müssen wirklich offenlegen, wo sie stehen, was sie können, was sie nicht können, wohin sie wollen und was sie beschäftigt. Nicht nur auf Ebene von Geschäftszahlen, sondern auch als Menschen. - Win-Win oder kein Geschäft.
Wenn beide Seiten nicht gewinnen, lässt man es besser bleiben. Jeder Unternehmer, jede Unternehmerin, jede Organisation hat bis zu diesem Punkt etwas aufgebaut. Das muss nicht erzwungen werden.
Wenn aber beides zusammenkommt – echtes Verstehen und ein ehrliches Win-Win, dann kann aus einem Zusammenschluss mehr entstehen als ein addiertes Unternehmen. Markus Lackner beschreibt es sinngemäß so: Dann wird aus 1 + 1 nicht 1,5 oder 1,8, sondern deutlich mehr. Weil Menschen zusammenkommen, die voneinander lernen. Weil Fähigkeiten ergänzt werden. Weil Vertrauen vorhanden ist. Weil eine gemeinsame Perspektive entsteht, die allein nicht möglich gewesen wäre.
Das ist der Kern dieser Folge: Wachstum ohne eigenes Kapital funktioniert nicht, weil Zahlen unwichtig sind. Es funktioniert nur, wenn Vertrauen so groß ist, dass beide Seiten bereit sind, gemeinsam einen tragfähigen Weg zu bauen.
Was bleibt: Menschen in den Mittelpunkt stellen
Am Ende des Gesprächs wird Markus Lackner sehr klar. Das Wichtigste, was er aus seinem bisherigen Weg mitgeben möchte, ist: für Menschen da zu sein. Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Menschenfreund zu sein. Offen dafür zu bleiben, dass andere Menschen einem freundlich begegnen.
Wenn Beziehung, Vertrauen und Ehrlichkeit entstehen, ergibt sich vieles andere von allein.
Das klingt einfach. Aber die Geschichte von MetaComp zeigt, wie anspruchsvoll es in der Praxis ist. Denn es bedeutet, Wachstum nicht nur als Finanzierungs-, Bewertungs- oder Strategiefrage zu verstehen. Es bedeutet, Zusammenschlüsse als menschliche und unternehmerische Entwicklung zu gestalten.
Markus Lackner hat ein IT-Unternehmen aufgebaut. In dieser Folge spricht er aber über etwas, das weit über IT hinausgeht: darüber, wie Wachstum im Mittelstand gelingen kann, wenn Menschen, Werte und Vertrauen nicht nachgelagert betrachtet werden, sondern der Anfang von allem sind.
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Über unseren Gast: Markus Lackner ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der MetaComp Gruppe, einem IT-Systemhaus mit Sitz in Stuttgart. Mehr über ihn und sein Unternehmen:
- Markus Lackner | LinkedIn
- Metacomp auf LinkedIn
- Mission und Vision der MetaComp GmbH | MetaComp GmbH
- Unternehmensgeschichte der MetaComp | MetaComp GmbH
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